Gaou Béavogi

Gaou Béavogi, 1987

Gaou Béavogi
Koiworosegué, 1989
Dispersionsfarbe/Papier
59,5 x 42 cm
Werknr. 6-1989/39

Gaou Béavogi (Mama Gaou)

geb. ca. 1929 in Macenta, Guinea
Nyanguézazou, Guinea

Sie verbrachte ihre Jugendjahre in Macenta, der Distrikthauptstadt der Loma, mit ihrem Vater, welcher als Koch bei einem Europäer arbeitete.
Einzug ins Buschlager: ca. 1936 in Kotoulazou bei Bofossou. Initiiert wurde sie ca. 1944 im Alter von 14 Jahren.
Heirat: 1944 im Alter von ca. 15 Jahren mit Zézé Onivogi. Ihr Vater und Zézé waren enge Freunde. Als Leutnant der französischen Armee war er sehr einflussreich, und sicherlich versprach sich Mama Gaous Vater Vorteile durch diese Heiratsverbindung. Zézé hatte mit 27 Ehefrauen 5 Kinder. Mama Gaou war Ehefrau Nr. 18; er verstarb 1955. Nach seinem Tod wurde sie mit einem jüngeren Bruder ihres Ehemanns verheiratet; auch er ist inzwischen verstorben. Sie hat von keinem ihrer Ehemänner Kinder. Sie lebt seither alleine im Gehöft ihres verstorbenen Mannes.
Beruf: Bäuerin; sie hat ein Erdnuss- und Reisfeld; weil sie körperlich nicht sehr stark ist helfen ihr andere bei der Feldarbeit. Sie hat viele musische Talente, welche zu ihrem eigentlichen Beruf und Broterwerb wurden. Sie war weithin die beste Podai-Malerin und hatte hohe Ämter innerhalb des Frauenbundes. Deshalb wurde sie bei Initiationen in viele Loma-Dörfer gerufen; um die Mädchen zu bemalen, um zu musizieren und zu singen; dadurch hatte sie immer wieder ein bescheidenes Einkommen.
Zusammenarbeit: 1987, 1990 und 1991

1987 war meine erste Begegnung mit Mama Gaou. Auf der Fahrt nach Kindia, wo ich an meinem Batikprojekt arbeiten wollte, wählten wir Nyanguézazou als Schlafplatz. Am nächsten Morgen entdeckte ich überall im Dörfchen herrliche Hausmalerei, welche, so sagte man mir, großteils von Mama Gaou zum Initiationsfest der Mädchen 1986 gemalt worden seien. Sie machte mir ein paar Zeichnungen auf Papier. Außerdem bemalte sie auch noch ein kleines Mädchen. So entstand die Fotodokumentation über Savo Onivogi. Als wir 1989 unangemeldet in Nyanguézazou ankamen, nahm sie uns mit in das Dorf Segbémé. Während des viertägigen Initiationsfestes dort lernten wir viele andere Podai-Malerinnen kennen, so dass wir Segbémé, nach den Festtagen, als neues Zentrum für unsere Arbeit auswählten. Die Begegnung mit Mama Gaou war für uns eine Weichenstellung: In ihrer Person trafen sich fast alle jene Faktoren, die man für das Gelingen eines Projektes in Afrika braucht: Sie war als Witwe eines ehemaligen Leutnants eine Frau mit besonders hohem Ansehen und die älteste und beste (und damals noch aktive) Podai-Malerin, welche voll in der alten Tradition stand. Deshalb wurde sie in der Frauenwelt sehr respektiert und hatte großen Einfluss in Frauenfragen. Sie war eine wunderbare Persönlichkeit, war offen, ehrlich und problemlos im Umgang mit uns. Für mich war sie ein Glücksfall: Der Schlüssel zum Tor der Podaimalerei.

Text: Karl-Heinz Krieg, 2003
Aus: Podai - Malerei aus Westafrika, museum kunst palast, Düsseldorf 2003:122-123