Akoi Zoumanigi

 

Akoi Zoumanigi
Königi, 1996
Acryl/Papier, grundiert
28,1 x 20,7 cm
Werknr. 38-1996/18

Akoi Zoumanigi

geb. ca. 1944 in Kolouma, Guinea
Segbémé, Guinea

Einzug ins Buschlager: ca. 1951 in Kolouma; sie wurde nach einjährigem Aufenthalt in Kolouma initiiert. Sie ist die Ehefrau von Söbé Bavogi, dem Vater des Dorfchefs von Segbémé
Beruf: Bäuerin
Zusammenarbeit: 1991 und 1996

Akoi war nie Teil von unseren Podai-Aktivitäten in Segbémé. Sie lebte sehr zurückgezogen im Haus des Dorfchefs. Morgens ging sie in den Wald, arbeitete ein paar Stunden in ihrem Garten und kehrte meistens mit einem Bündel Feuerholz und einem Körbchen Gemüse ins Dorf zurück. Täglich erlebte sie nun die „laute Kolouma" bei ihrer Malerei, welche versuchte, alle Malerinnen zu dominieren, wegen ihrer engen Verwandtschaft mit dem Dorfchef Akoi. Der alten Frau war dies alles zu viel und sie hätte gern das Haus verlassen, denn sie konnte für sich kein richtiges Plätzchen mehr finden. Wir machten ihr Mut und nahmen sie, nach Rücksprache mit ihrem Mann, voll in den Kreis der Malerinnen auf. Großformatige Arbeiten und neuzeitliche Farben, neben schwarz, waren nicht gerade „ihr Ding". Sie tastete sich langsam an diese moderne Welt heran und spielte und übte. Täglich wurde sie sicherer; die Anerkennung von meiner Seite tat ihr gut. Ihr Malstil ist sehr persönlich und voller Geheimnisse und Überraschungen. Sie kopierte kaum ein altes Podai-Muster, sondern erfand ihre eigene Welt. Von allen mir bekannten Malerinnen ist ihre Geschichte besonders auffällig:

„Ich übte das Malen mit den anderen Mädchen im Dorf; man zerrieb Holzkohle, vermischte den Kohlenstaub mit Wasser und bemalte sich gegenseitig. Im Buschlager hatte man nicht so viel Zeit, alle traditionellen Podai-Muster zu erlernen, denn es gibt zu viele. Unsere Zomagi brachte ihre Malutensilien mit in das Lager; damit übten wir Mädchen, und auf diese Weise habe ich dort die traditionelle Podaimalerei gelernt."

Erstaunt war ich, dass sie sich in vielen ihrer Arbeiten so weit von den traditionellen Podai-Mustern entfernte; wenn sie uns ihre Geschichte erzählt können wir sie besser verstehen:

„Nach meiner Initiation, also vor ca. vierzig Jahren, habe ich nie mehr gemalt. Diese Arbeiten hier, welche ich für Mussa Coulibaly (afrikanischer Übername des Autors) male, sind meine ersten Podai-Arbeiten, seit ich das Buschlager verlassen habe."

Es fehlte Akoi also jede Übung, und sie begann mit der Malerei von vorne, zusammen mit uns und für uns. Ich fragte sie, warum sie so ganz anders male. Darauf entgegnete sie mir:

„Ich liebe die Dinge, welche ich in der Natur sehe. Und weil es mir mein Können erlaubt, diese Dinge als Podai-Muster zu malen, deshalb ist mein Malstil anders, etwas Besonderes. Trotz dieser Fantasien, welche ich male, verbinde ich sie immer mit dem traditionellen Podai-Stil. Schon in meiner Jugendzeit fürchteten meine Lehrmeisterinnen mein totales Engagement, weil ich mich keiner bestimmten Lehrerin anvertraute. Meine große Liebe zur Malerei und mein Einsatz brachten mich eben weiter als die anderen."

Text: Karl-Heinz Krieg, 2003
Aus: Podai - Malerei aus Westafrika, museum kunst palast, Düsseldorf 2003:132-133